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Ein gutes Tarifergebnis in unsicheren Zeiten

Foto: ver.di

Trotz der gegenwärtig krisenhaften Situation mit unkalkulierbaren Zukunftsperspektiven konnte in der dritten Verhandlungsrunde am 22. März 2022 bei der Postbank ein Tarifabschluss erreicht werden, der die Interessen der Beschäftigten angemessen berücksichtigt.

Nach massiven Streikwellen und extrem komplizierten Verhandlungen haben die Tarifkommissionen Postbank Klassik und Postbank Filialvertrieb dem folgenden Verhandlungsergebnis mit einer Laufzeit bis 31. Januar 2024 ihre Zustimmung erteilt.

Mehr Geld in zwei Stufen

  • 750 Euro Einmalzahlung am 1. Mai 2022
  • 3,1 Prozent mehr Gehalt ab 1. Juni 2022
  • 750 Euro Einmalzahlung am 1. Januar 2023
  • 2,1 Prozent mehr Gehalt ab 1. Februar 2023, mindestens aber 100 Euro

Der Mindestbetrag von 100 Euro führt in vielen Fällen zu einer Gehaltserhöhung, die über dem prozentualen Wert von 2,1 Prozent liegt (nämlich je nach Tarifgruppe bei bis zu vier Prozent), und ist außerdem eine richtige tarifpolitische Antwort auf die Inflationsrisiken. Die Arbeitgeberseite war leider nicht in der Lage, eine abgabenfreie Auszahlung zu realisieren.

Auszubildende

  • 200 Euro Einmalzahlung am 1. Mai 2022
  • 50 Euro mehr Ausbildungsvergütung ab 1. Juni 2022
  • 200 Euro Einmalzahlung am 1. Januar 2023
  • 50 Euro mehr Ausbildungsvergütung ab 1. Februar 2023

Wenn zu einem späteren Zeitpunkt im Branchentarifvertrag für das private Bankgewerbe bessere Konditionen vereinbart werden, erfolgt eine Übertragung auf die Postbank-Azubis. Die Übernahme in ein unbefristetes Angestelltenverhältnis erfolgt bei einer Abschlussnote von mindestens 2,6.

Verlängerung Kündigungsschutz
Der bis 30. Juni 2023 befristete Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen konnte bis 31. Januar 2024 verlängert werden. Das schafft Sicherheit und zwingt die Bank, bei weiterem Personalabbau intelligente und sozialverträgliche Lösungen anzuwenden.

Umwandlung von Geld in Freizeit
Die in der Tarifrunde 2019 geschaffene Möglichkeit, Tariferhöhungen in Freizeit umzuwandeln, bleibt bis 1. Januar 2025 bestehen. Das gilt für Beschäftigte, die bisher von der Umwandlungsoption Gebrauch gemacht haben. Neueinstiege“ werden leider nicht möglich sein. Das Ende der Umwandlung und eine Rückkehr zur vorherigen Arbeitszeit müssen bis spätestens 30. Juni 2024 erklärt werden.

Tarifvertrag für Altersteilzeit – Postbank Filialvertrieb
Beschäftigte haben nach Vollendung des 56. Lebensjahres Anspruch auf eine neunjährige Altersteilzeitregelung, die auch im Blockmodell möglich ist. Die Altersteilzeitvergütung wird um 35 Prozent aufgestockt. Vier Prozent der Mitarbeitenden in den Bereichen Service und Verkauf (MaSV) und VBB-Filiale sowie zwei Prozent in der Kundenberatung und in der Leitung Marktgebiet (LMG) erhalten unbeschränkten Zugang zur Altersteilzeit. Bei Anträgen, die über diese Quoten hinausgehen oder von anderen Beschäftigtengruppen gestellt werden, entscheidet eine paritätische Kommission. In dieser werden drei Mitglieder des Gesamtbetriebsrates vertreten sein.

Mobile Arbeit – Postbank Klassik
Beschäftigte dürfen künftig bis zu 60 Prozent ihrer Arbeitszeit im Homeoffice oder mobil arbeiten. Voraussetzung ist, dass die Rolle mobile Arbeit bis zu 40 Prozent erlaubt. Einen entsprechenden Wunsch von Beschäftigten kann die Arbeitgeberseite nur sehr eingeschränkt ablehnen. Damit ist es ver.di gelungen, eine wichtige Grundlage für die Arbeitsweise (auch nach der Pandemie) zu schaffen.

Postbankzulage – Postbank Filialvertrieb
Verbeamtete Beschäftigte bekommen ab 1. Februar 2022 bis 29. Februar 2024 eine monatliche Leistungszulage in Höhe der für Dezember 2007 zustehenden Sonderzahlung (Postbankzulage).

Gemeinsam sind wir stark!
Mit unseren Streiks in den letzten Wochen haben wir noch mal deutliche Bewegung in die Verhandlungen gebracht. Ohne die zahlreichen Kolleginnen und Kollegen, die sich an diesen Streiks beteiligt haben, wäre dieses Ergebnis nicht möglich gewesen. Wir haben wieder gezeigt: Wenn es drauf ankommt, dann stehen wir zusammen! Detaillierte Informationen zum Ergebnis und seinen Einzelaspekten folgen in Kürze.

Mitgliederbefragung
Die Zustimmung der Tarifkommissionen erfolgte einstimmig! Jetzt sind die ver.di-Mitglieder dran: ab März bis 11. April 2022 befragen wir sie zum Tarifergebnis! Weitere Infos folgen.

Durch die beiden Einmalzahlungen und den Mindestbetrag von 100 Euro haben wir besonders für Beschäftigte in den unteren Gehaltsgruppen viel erreicht. Die verbindliche Übernahme für Azubis und der verlängerte Kündigungsschutz schaffen bis Anfang 2024 Arbeitsplatzsicherheit. Das ist ein gutes Ergebnis für die Beschäftigten in extrem unsicheren Zeiten!

Jan Duscheck, ver.di-Verhandlungsführer

Eure ver.di-Verhandlungskommission

Cindy Schirmer, Eric Stadler, Frank Fuß, Maximilian Knobloch, Timo Heider, Rüdiger Kruse, Tim Ritter (Postbank Klassik)

Susanne Bleidt, Andrea Hintze, Steffi Kästner, Bernd Rose, Michael Scharpf, Ingo Schmitt (Postbank Filialvertrieb)

Jan Duscheck, Kevin Voß, Roman Eberle (ver.di-Fachgruppe Bankgewerbe)

Diese Tarifinfo gibt es hier auch als praktisches PDF zum Herunterladen und Verteilen


9 Antworten zu “Ein gutes Tarifergebnis in unsicheren Zeiten”

  1. Ich bin schockiert! Mit einer Forderung von 6% in die Verhandlungen zu gehen und umgerechnet uns 2% als toll zu verkaufen, ist schon bemerkenswert. Liebe Verdi, Ihr solltet nicht vergessen, dass wir Banker sind und auch rechnen können. 5 Null Monate sind nicht zu akzeptieren. Die offizielle Inflation liegt bei 5,1%. Durch die enorm gestiegenen Energiekosten liegt diese jedoch weit höher, so dass hier mit 7% bis 8% gerechnet werden kann. Ich kann nur empfehlen, diese Ergebnis nicht anzunehmen. Liebe Kollegen bitte beachtet, dass uns das Ergebnis umgerechnet nur 2% Erhöhung jährlich bringt. Die Einmalzahlungen sind hierbei natürlich nicht mit eingepreist, da diese keinen Inflationsschutz darstellen. Verdi lebt gut von den Beiträgen der Postbanker. Da kann ich einen solchen Abschluss nur als schlechten Scherz verstehen.

  2. Herr Christian Hoffmann hat Recht. Zudem wird die Auszahlung des Vertriebserfolgs auch im Mai, gemeinsam mit der Einmalzahlung der nicht einmal steuerfreien(!) 750,00€, getätigt. So kommt es zu höheren Steuerabzügen. Andere Arbeitgeber legen solche Zahlungen zumindest auf Monate ohne Bonuszahlungen. Arbeitnehmerfreundlich ist anders.

    • Liebe Agatha,

      ich kann deinen Ärger absolut nachvollziehen. Darauf haben wir die Arbeitgeberseite mehrmals hingewiesen. Leider war die Bank nicht bereit die Zahlung bereits im März oder April zu leisten.

      Viele Grüße
      Kevin Voß (ver.di-Team Banken)

  3. Dieses extrem schlechte Ergebnis kann und will ich nicht akzeptieren. Es wird von den Angestellten immer 200% erwartet und so will man auch bezahlt werden. Ein Apfel und ein Ei brauche ich nicht. Würde gerne noch Tomaten dazu geben. Kann mich der vorherigen Kommentare nur anschließen.

  4. Pingback: Erläuterungen zum Tarifergebnis in der Postbank Filialvertrieb AG - Wir für Tarif

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